Freitag, 21. November 2014

Meine Brustoperation

Tja, ich hab mich in den letzten Wochen immer wieder gefragt, ob das ein Thema in meinem Blog sein sollte. Ob sich das gehört, ob man das so macht, ob man das lieber nicht so macht.
 
Aber was "man" macht, ist mir im Grunde egal. Ich hatte eine OP und ich merke, dass man das nicht "geheim" halten kann. Immer wieder muss ich irgendwo absagen, irgendetwas vertagen und die vage Äußerung "Ich hatte erst kürzlich eine OP" oder die Äußerung meines Mannes, wenn er für mich absagen muss "Daniela hatte erst eine OP", das gibt so viel Raum für Spekulationen, dass ich doch lieber frei heraus erzähle, was Phase ist mit mir. Der Blog ist mein Tagebuch und zu meinem Leben gehört dieses Kapitel dazu. Also gehört es auch zu meinem Blog. Wen es nicht interessiert, der möge einfach beim nächsten Mal wieder bei mir lesen.
 
Im Sommer habe ich bemerkt, das irgendwas mit meiner linken Brust nicht stimmt. Ich habe überall, wirklich überall in meiner Brust Fibroadenome, also gutartige Tumore. Aber da war was anders als sonst. Eine ganze Zeitlang konnte ich das ganz gut verdrängen, denn ich bin ein Künstler darin, Dinge erst mal wegzuschieben. Manche Sachen erledigen sich ja auch von selbst. Das Ding nicht.
 
Das wurde immer größer. Nun stand aber die Hochzeit unseres Sohnes an und wir waren mit den Vorbereitungen vollauf ausgelastet. Außerdem wollte ich nicht, dass es irgendeinen Schatten über dieser Hochzeit gibt, ich wollte, dass wir alle mit jeder Faser voll und ganz bei der Hochzeit sind und nicht bei einem Ding in meiner Brust. So habe ich keinem etwas gesagt. Auch meinem Mann nicht. Denn der hätte mich zum Arzt gedrängt. Und dann wäre vielleicht etwas herausgekommen, dass in dem Moment überhaupt keinen Platz gehabt hätte.
 
Ich habe auch noch unseren Urlaub mit vollem Herzen genossen und bin am ersten Tag nach unserer Ankunft zu Hause zu meinem Gynäkologen gegangen.
 
Er tippte auf ein erneutes Fibroadenom, schickte mich aber zum Abklären zur Stanzbiopsie ins Krankenhaus. Lange Rede, kurzer Sinn: nach der Biopsie war klar, dass es sich zum einen NICHT um Krebs handelt. Es aber auch kein Fibroadenom ist. Sondern ein phylloider Tumor, knapp 6 cm groß. Die Zellen waren bereits entartet. Wenn sie weiter entarten, entsteht Krebs. Das Ding musste raus, zügig.
 
Mein ganz großartiger behandelnder Arzt im Krankenhaus, der auch die OP durchführen würde, hat mich darauf vorbereitet, dass meine linke Brust danach nicht mehr so aussehen würde wie vorher. Der Tumor muss bis ins gesunde Gewebe hinein entfernt werden. Ich hätte dann eine vollkommen eingedellte unförmige Brust. Oh mein Gott. Das war das erste Mal, dass ich etwas heulen musste.
 
Nachdem klar war, dass auch meine rechte Brust diverse Tumore hat, kam von meinem Arzt der Hinweis, "das Ganze in ein Gesamtkonzept zu betten". Okayyyy......
 
Das hieße: alle Knoten und Tumore raus. Dann ist das ein für alle mal erledigt und ich brauch mir keine Gedanken mehr zu machen über etwaige Entartungen und Veränderungen. Und dann?
 
Dann musste ich wieder heulen. Mich von meiner Brust verabschieden zu müssen, war eine Erkenntnis, die ich erst mal begreifen musste. Was mache ich danach?
 
Ein paar Tage diskutierte ich mit meinem Mann aber vor allem auch mit mir selbst die zwei Möglichkeiten:
 
Entweder habe ich danach einfach keine Brust mehr.
 
Oder ich lasse meine Brust durch "Inlays", neudeutsch "Silikonimplantate" wieder aufbauen.
 
Wenn es nur mich auf der Welt geben würde und ich allein auf einer einsamen Insel leben würde, dann bräuchte ich keine Brust. Ich würde gut ohne klarkommen und einfach als "obenrum Junge" durch die Gegend laufen. Besonders viel hatte ich eh nie, da würde mir also auch nicht viel fehlen.
 
Aber ich bin nicht allein auf der Welt, ich habe ein Leben. Bin unter Leuten, gehe sehr gerne schwimmen, liebe Strand und Meer, enge Kleider und Tops....Ich würde mich ohne Brüste fühlen, als hätte ich einen Makel. Ich bin eine Frau und das ist nun mal unser eindeutiges erstes Erkennungszeichen. Ich hätte dann keines mehr.
 
Nachdem ich eine wirkliche Pro- und Contra Liste aufgestellt hatte, war klar, dass ich die Implantate haben möchte. Was heißt "möchte"? Ich wollte gesunde schöne Brüste haben, aber das war ja schon mal hinfällig.
 
Ich wurde am Dienstag, den 4. November operiert. Die ersten Tage waren nicht gut, an beiden Seiten hatte ich Drainagen hängen, die Schmerzen waren echt heftig und waren nur mit Hammerschmerzmitteln auszuhalten. Insgesamt ist die OP aber super verlaufen, ich kann das Krankenhaus Gehrden und meinen operierenden Arzt nur empfehlen für einen solchen Eingriff.
 
Inzwischen ist die OP also schon 17 Tage her.
 
Ich kann schon gut herumlaufen, den Haushalt halbwegs machen, kochen, Wäsche machen, heute konnte ich zum ersten Mal wieder staubsaugen. Seit gestern arbeite ich auch wieder Vollzeit. Die Narben sind bis auf eine kleine Stelle zugeheilt und schon jetzt fast nicht mehr zu sehen, nur noch ein kleiner Strich. Die eine blöde Stelle nervt mich zwar tierisch, denn sie muss ständig kontrolliert werden, aber ich bin überzeugt, dass mein Körper auch das noch hinkriegt und sie kurzfristig zuheilt....
 
Ich brauchte ein paar Tage, um mich an meine neuen Brüste zu gewöhnen. Aber sie sehen echt gut aus! Um mich für die Schmerzen zu entschädigen, habe ich mich für eine Körbchengröße mehr entschieden und werde in ein paar Wochen losziehen und mir neue Unterwäsche zulegen und auch ein paar neue Oberteile. Bis dahin muss ich noch mein "Korsett" tragen, einen Stütz-BH, den ich auch nachts tragen muss.
 
Aber ich hab nicht nur neue Brüste im Krankenhaus bekommen, sondern auch eine Erkenntnis.
 
Es ist alles scheiße, wenn man krank ist. Wenn man sich so durch die Flure eines Krankenhauses schleppt, mit seinen dämlichen Drainagebeuteln und froh ist, wenn man bis zur Ecke kommt und das ganze Elend sieht, das einem so begegnet, dann möchte man am liebsten SOFORT da weg und das alles hinter sich lassen. Man möchte am liebsten IRGENDWO bei IRGENDWEM die sofortige Versicherung bekommen, dass einem GARANTIERT nix schlimmeres im Leben passiert. Man sieht den Rettungshubschrauber landen, man sieht Menschen weinen, man HÖRT Menschen weinen, man sieht Menschen leiden und man erkennt, dass man verdammt noch mal an diesem Leben hängt.
 
Und man versichert IRGENDWEM da oben und sich selbst, dass man diese Erkenntnis nicht wieder verliert, wenn einen der Alltag wieder hat und man versichert ebenfalls, dass man fortan jede Sekunde des Lebens inhalieren wird und NIEMALS NIEMALS in die Situation kommen wird, sich früher vom Leben zu verabschieden als geplant. Weder vom eigenen noch von anderen, die einem wichtig sind.
 
Und diese Erkenntnis ist mir noch lieber als meine neuen Brüste.

Kommentare:

Georg hat gesagt…

Vielen dank für diesen interessanten Artikel. Dieses Thema kannst du auch ruhig in deinem Blog schreiben. Die OP hast du ja nunmal hinter dir und es ist wichtig darüber zu sprechen. Im grunde ist man ja auch etwas stolz und man schöpft neues Selbstvertrauen.

Daniela hat gesagt…

Danke, Georg, das ist lieb von Dir!